Den Syndikatsplatz im Rücken, durch den Rathausinnenhof schlendere ich auf die erleuchtete Stadthausgalerie zu. Die Tageslichtprojektoren leuchten blass nach außen, einige Neonröhren strahlen darüber. Rechts vorne sitzt Simon an seinem Tisch am Fenster; eine der Aufsichten, die in den kommenden Wochen auf den Raum, die Künstlerinnen und Künstler, einfach auf alles aufpassen, die Besucher informieren, Getränke verkaufen und gelegentlich auch für Unterhaltung der werkenden Kunstschaffenden sorgen werden – wenn einmal kein Besucher staunend in dem Raum stehen wird.

Etwas aber ist anders als in den vergangenen Tagen. Die Stadthausgalerie erscheint, ja, farbiger, auffälliger, einladender. Marc Günnewig von modulorbeat und ein helfender Tischler namens Tim Rietschel haben begonnen, die Möbel zu bauen. Sie hantieren mit einfachen gelben Platten, die normalerweise auf dem Bau eingesetzt werden. Auf Gehrung ist das Material gesägt, aus dem modulorbeat mit Leim, Spanngurten und Gaffa-Klebeband variable Einheiten fertigen, die anschließend jeder der weiteren Werktage-Künstlerinnen und Künstler nach Bedarf nutzen kann. (Gaffa und Spanngurte kommen nach dem Trocknen des Leims natürlich weg)
Mir gefällts, sehr gut sogar, denn die Farbe und die stabil wirkenden Kisten und Quader wirken stark im Raum – dabei sind sie noch nicht fertig und stehen nicht so, wie sie demnächst sollen.
Ich werde in den kommenden Tagen – denn Freitag zur Eröffnung muss alles fertig sein – noch mehrmals schauen. Der Raum wächst.
Zehn Künstler, zehn Tageslichtprojektoren. Hunderte Menschen und Dutzende Fragen. Eine Band, ein Kurzfilm und ein Illustrator: Die Werktage Münster haben sich im Rahmen von “Schauraum” am Samstagabend zum ersten Mal dem Publikum vorgestellt. Unser Experiment nimmt damit Konturen an: Wir sind bereit, den Leuten zu zeigen, wie Kunst entsteht.
Zu erklären, warum wir von kommenden Freitag (10. September) bin in den November hinein keine fertige Kunstwerke ausstellen, sondern den Weg vom Nichts bis zur Kunst öffentlich machen, fiel uns leicht: “Weil das sonst keiner macht und endlich mal gezeigt gehört!” Und es gab viel Zuspruch: “Stimmt, ich wollte schon immer mal wissen, wie ein Songwriter arbeitet, wie ein Text entsteht.”
Die Frage aller Fragen: “Und das machen eure Künstler mit?” Ja, die Werktage-Künstler machen das mit. Sie sind Teil der Werktage, um herauszufinden, was passiert, wenn die kreative Arbeit nicht im stillen Kämmerlein oder engen Proberaum stattfindet, sondern hinter der offenen Tür der Stadthausgalerie.
Wie das werden könnte, bewiesen zwei spontanen Auftritte: Die Band Lancaster spielte zum ersten Mal in Zweierbesetzung. Eine Probe gab es nicht; das Konzert war trotzdem toll. Und wie schön dieser Raum im Rathausinnenhof klingt! Ein Hall zum Verlieben, nicht zu viel, nicht zu wenig.
Danach begann Illustrator Christoph Mett sein wunderbares Werktage-Projekt, die Menschen aus Münster zunächst kennenzulernen und dann auf eigenartige Weise auf Papier zu verewigen. Das Gemeine: Er gibt seine Porträt-Illustrationen nicht heraus, sondern sammelt sie bis zu seiner Werktage-Prästenation am 22. Oktober.
Zudem gab ein viel beachteter vokaler Film der Filmwerkstatt Münster dem Abend und dem ganzen Werktage-Projekt das Motto: “Die Gedanken sind frei.”
Folge eines langen Tages: Zwei durchgebrannte Tageslichtprojektorenglühlampen, 500 verteilte Werktage-Postkarten und große Vorfreude auf den offiziellen Startschuss am kommenden Freitag (10. September) um 18 Uhr.
Bis dahin,
andré boße