»Schauraum«

Nächster Künstler: Christoph Mett – Mi., 20.10 bis Fr., 22.10.

16.Oktober 2010

Wenn sich Christoph Mett Menschen widmet, dann intensiv und mit vielen Fragen. Und statt still Porträt zu sitzen, erzählen die Leute dem Illustrator ihre Vorlieben sowie Geschichten aus ihrem Leben. Christoph Mett hört zu, schreibt mit – und macht sich dann an die Arbeit. Das Resultat sind keine reinen Zeichnungen von Gesichtern, sondern Illustrationen mit Anhang – mal surreal, mal ironisch, mal detailgenau.

Im Rahmen der Werktage Münster wird Christoph Mett am Mittwoch (20.10.) von 17 bis 22 Uhr, am Donnerstag (21.10.) von 14 bis 18 Uhr sowie am Freitag (22.10.) von 17 bis 22 Uhr in der Stadthausgalerie (Rathausinnenhof/Platz des Westfälischen Friedens) auf seine Art Menschen aus der Stadt porträtieren. Passanten und Kunstfreunde sind eingeladen, sich selber porträtieren zu lassen oder dem Künstler bei der Arbeit zuzuschauen. Die gesammelten Werke werden schließlich Platz auf einem großen Leporello finden – einem Faltbuch mit Gesichtern und Geschichten der Stadt.

Christoph Mett ist der fünfte Künstler der Reihe Werktage Münster – einem Projekt, das nicht fertige Werke ausstellt sondern ihre Entstehung. Seit der Eröffnung im September sind bereits überaus spannende Prozesse geschehen und Werke entstanden; einen Eindruck davon gibt sein erster Beitrag auf dieser Homepage. Dort sind unter der Künstlerrubrik Christoph Mett auch bereits Werke zu sehen, die der Illustrator ihm Rahmen von „Schauraum“, der langen Nacht der Museen in Münster, gestaltet hat.

Lancaster @ Schauraum – Sa. 04.09.2010 19.00 Uhr

07.September 2010

Da stehe ich nun an der rechten Flanke der Stadthausgalerie, mit Wolfgang A. Müller an meiner Seite, meinem VOX-Verstärker und zwei weiteren Amps hinter, einem Mikrofon vor und einem weiteren Stativ neben mir. Ein Schlag in die Saiten und der etwa 200 qm große, weiße Raum lässt diesen Ton warm und lange nachklingen – fantastisch!

Zum ersten Mal spielen wir in dieser Mini-Besetzung gute zwei Hände voll Lancaster-Songs, ohne Drums, ohne Bass, ohne Keyboards – in der Hoffnung, dies möge den Projekt- und Probe-Charakter der Werktage Münster ein wenig widerspiegeln. Freunde sind gekommen, Werktage-Mitveranstalter und –Künstler schauen zu, einige Leute schlendern vom roten Schauraum-Teppich des Rathausinnenhofs in die mit zahlreichen Tageslichtprojektoren strahlende Galerie – manche neugierig, manche erschrocken ob der (allerdings in meinen Ohren moderaten) Lautstärke, manche laufen schlicht an uns vorbei, um sich den an die Wände geworfenen Künstler-Kurzbiografien zu widmen und manche bleiben stehen und lauschen.

Wolfgang hat sein Hallgerät über zwei Verstärker gekoppelt, so dass wir tatsächlich in einem wohlig-warmen Klangraum stehen. Nach den ersten beiden Songs traue ich mich, meine Stimme mehr zu modulieren, Töne und Silben zu ziehen – ich versuche, mit dem Raum und seiner Akkustik zu spielen, was mir sehr viel Spaß macht und was auch funktioniert.

Wir haben zu einigen aktuellen Songs ein paar ältere Stücke ausgegraben, die wir schon sehr lange nicht mehr gespielt haben – inklusive zweier Coverversionen. Wir starten somit öffentlich die Suche nach den Songs, die wir im Rahmen des Werktage-Konzeptes mit anderen Musikern neu arrangieren wollen. Dass der Rahmen (Raum, Helfer, Kuratoren, Künstler, Gäste) dabei so hilfreich sein kann, haben wir uns lediglich erhoffen können. Mit Rückenwind gehen Lancaster nun die Werktage an – werdet ein Teil davon!

werktage@schauraum – oder: man lernt sich kennen

05.September 2010

Zehn Künstler, zehn Tageslichtprojektoren. Hunderte Menschen und Dutzende Fragen. Eine Band, ein Kurzfilm und ein Illustrator: Die Werktage Münster haben sich im Rahmen von “Schauraum” am Samstagabend zum ersten Mal dem Publikum vorgestellt. Unser Experiment nimmt damit Konturen an: Wir sind bereit, den Leuten zu zeigen, wie Kunst entsteht.

Zu erklären, warum wir von kommenden Freitag (10. September) bin in den November hinein keine fertige Kunstwerke ausstellen, sondern den Weg vom Nichts bis zur Kunst öffentlich machen, fiel uns leicht: “Weil das sonst keiner macht und endlich mal gezeigt gehört!” Und es gab viel Zuspruch: “Stimmt, ich wollte schon immer mal wissen, wie ein Songwriter arbeitet, wie ein Text entsteht.”

Die Frage aller Fragen: “Und das machen eure Künstler mit?” Ja, die Werktage-Künstler machen das mit. Sie sind Teil der Werktage, um herauszufinden, was passiert, wenn die kreative Arbeit nicht im stillen Kämmerlein oder engen Proberaum stattfindet, sondern hinter der offenen Tür der Stadthausgalerie.

Wie das werden könnte, bewiesen zwei spontanen Auftritte: Die Band Lancaster spielte zum ersten Mal in Zweierbesetzung. Eine Probe gab es nicht; das Konzert war trotzdem toll. Und wie schön dieser Raum im Rathausinnenhof klingt! Ein Hall zum Verlieben, nicht zu viel, nicht zu wenig.

Danach begann Illustrator Christoph Mett sein wunderbares Werktage-Projekt, die Menschen aus Münster zunächst kennenzulernen und dann auf eigenartige Weise auf Papier zu verewigen. Das Gemeine: Er gibt seine Porträt-Illustrationen nicht heraus, sondern sammelt sie bis zu seiner Werktage-Prästenation am 22. Oktober.

Zudem gab ein viel beachteter vokaler Film der Filmwerkstatt Münster dem Abend und dem ganzen Werktage-Projekt das Motto: “Die Gedanken sind frei.”

Folge eines langen Tages: Zwei durchgebrannte Tageslichtprojektorenglühlampen, 500 verteilte Werktage-Postkarten und große Vorfreude auf den offiziellen Startschuss am kommenden Freitag (10. September) um 18 Uhr.

Bis dahin,

andré boße