Das war’s. War’s das?

Gestern haben wir die Werktage beendet. Mit einem schönen Film der Filmwerkstatt, der auch schon im Rohschnitt zeigt, dass er – wenn er in ein paar Tagen fertig ist – eine wunderbare Abrundung des Projektes werden kann. Zumal er die Themen der Werktage zeigt: Das Kunstschaffen unter Beobachtung, der Umgang mit dem großen Raum, das Einbeziehen der Stadt und seiner Bewohner – und sogar das Warten auf Gäste.

Alle Künstlerinnen und Künstler, haben – wie auf Thorsten Arendts vielbeachteten Lochkamera- und Digitalfotos gestern zu sehen war – viele unterschiedliche Ansätze im Raum verfolgt. Wir konnnten in den vergangenen zehn Wochen expressive Ausbrüche und introvertiertes Arbeiten, hippieskes Beisammensein und hochkonzentriertes Schaffen, kreative Spannung und durchaus nicht uninteressante Schlaffheit beobachten.

Unterschätzt haben wir im Vorfeld ein wenig die Wirkung der Besucher. Natürlich wussten wir, dass nicht immer Hunderte den Raum füllen würden und dass zugleich auch wenige Gäste einen großen Einfluss auf Kunst und Künstler haben würden. Die gegenseitigen Reaktionen aber waren beachtlicher als wir erwartet hätten. Die Stimmung im Raum, der nun einmal als intimer Proberaum, Atelier oder Schreibstube fungierte, wechselte oft in Minutentakt – je nach Gast und Gastinteresse.

Waren nur drei, vier Besucher im Raum, wurde die Spannung spürbar, die die Künstler zu anstrengenden Hochleistungen trieb – und die manchmal sogar Überhand nahm, wenn sich ein, zwei unserer hochgradig bühnenerfahrenen Teilnehmer in ihre Kemenaten zurückwünschten, um ihre Kunst in Ruhe machen zu können, um sie erst anschließend in Perfektion zu präsentieren. Andere Künstler wiederum genossen den Widerhall, den das Publikum gab, was sogar elementare Eingriffe in die Kunst nicht ausschloss. Als dann an manchen Abenden Dutzende Zuschauer kamen, ein Mal sogar rund 250, überraschte uns die plötzliche Lebendigkeit, die mit einem Schlag die konzentrierte Ruhe der Stunden zuvor abgelöst hatte.

Waren die Werktage erfolgreich? Ja. Denn wir haben verschiedene Dinge erreicht, die wir uns vorgenommen hatten: Wir haben Prozesse des Kunstschaffens sichtbar gemacht, eine wunderbaren Raum gestaltet sowie Künstler und Szenen aus Münster verknüpft, die sich zuvor nicht kannten. Und wir – vor allem die Künstler – haben mit dieser Website ein sehr lebendiges Dokument geschaffen, dass täglich mehrere Hundert Male angeklickt wurde – auch von Menschen außerhalb der Stadt Münster, die nicht ein einziges Mal in der Stadthausgalerie waren.

Und nun? Wir werden die Homepage weiterlaufen lassen und die Werktage fortführen. In welcher Form auch immer. Vielleicht anders gewichtet und kompakter, vielleicht in einer anderen Stadt oder auch wieder in Münster, an einem anderen Ort mit einem abgewandelten Konzept. Schaut hin!

Danke (in alphabetischer Reihenfolge): den Aufsichten, die sich bei großem Publikumsandrang, aber auch in flauen Phasen vorbildlich mit dem Verkauf von Bier und Bionade, Erklärungen zur Kunst, Schlepphilfen oder manchmal auch mit Seelenhilfe für alleingelassene Künstler beschäftigt haben; dem Veranstalter der Werktage, dem Kulturamt Münster, für die Finanzierung, Unterstützung und das Machenlassen; Risna Olthuis für die bestmögliche Organisation; Constanze Raidt für unermüdliche Presse-, Hintergrundarbeit und Recherchen; Thomas Tegethoff für die funktionable und aufgeräumte Website.

für alleingelassene Künstler

Informationen über den Autor:

: Marc-Stefan Andres arbeitet als freier Journalist und ist Kurator der Werktage Münster.