»Thomas Bücker«

TB: Tag 2 — Dienstag — Paradoxien, CrashSightSeeing und “The Audience Is Missing”

12.Oktober 2010

sehr gefreut habe ich mich über den spontanen besuch einer freundin aus oslo. sie war noch nie hier in münster. am frühen nachmittag gab es somit auch gleich eine improvisierte 3-stündige crash-sight-seeing-tour durch die stadt. der dom, die lamberti-kirche, ein straßenmusiker-duo („knocking on heavens door”), der prinzipalmarkt, ein drehorgelspieler und das café fyal — das war unsere tour. klanglich festgehalten in 96khz und 24-bit.

es ist 17 uhr. stadthausgalerie. heute ist dienstag. der einzige tag, wo kein geladener gast-musiker auf dem programm steht. nur die geräte, die große galerie-halle, eine freundliche person an der getränke-theke hinten links und ich. immer noch sehr skuril dieser ort, wo ich nun arbeiten soll. klänge und atmo-sounds habe ich ja schon sehr viele gesammelt …

ich bemerke eine gewisse paradoxie: einerseits ist es fast schon beängstigend alleine in einem großen, leeren raum vor sich hinzubasteln — aber kommen dann doch einmal besucher durch die tür, habe ich andererseits das gefühl, nicht das machen zu können, was ich normalerweise machen würde … weil: jetzt sind ja zuhörer hier! „jetzt muss man denen doch ‘was bieten!?! — man muß dem publikum doch zeigen, was hier so interessantes passiert!?” und man fängt an, ein kleines spontanes sound-collagen-konzert zu geben, was allerdings gar nicht unbedingt auf meiner “to-do”-liste steht. zu tun gäbe es vielmehr: aufgenommenes material durchhören, das für mich interessante herausschneiden, archivieren, später arrangieren, mit anderen sounds zusammenmischen, musikalische elemente hinzufügen … “zu einem ganzen” werden lassen. das klappt aber unter diesen o.g. bedingungen nicht wirklich richtig gut. das beweist wohl: ich habe mich an diese arbeitssituation noch nicht wirklich gewöhnt. naja, es ist auch erst der zweite tag … das dauert vermutlich ein wenig länger.

da ist es wirklich toll, wenn ein paar freunde vorbeischauen (heute ohne kuchen, aber auch ok!). es steigert das allgemeine wohlbefinden und hilft der akklimatisierung ungemein! (lieben dank: annija, carsten, juna, antje, holger, marcel, selda, tom, tege, gereon, christian und anna)

TB: Tag 1 — Montag — /w Carsten Nolte, Kuchen und 6 Zuhörer

11.Oktober 2010

heute ist montag, der erste offizielle werk/tag für mich … nun sitze ich hier also diese woche und werde in dieser halle das tun, was ich eigentlich auf privaten 25qm mache: klänge basteln, sounds arrangieren, musik komponieren … ausprobieren. den perfekten loop suchen — wohlmöglich erst einmal archivieren. plug-ins ausprobieren. oder einfach musik hören zur inspiration … all das … nun in einem großen, leeren halligen raum. (sogar mit getränke-theke und sympathischer aufsichtsperson dahinter … ) … seltsam und befremdlich für kreative arbeitsprozesse, aber ich bin guter dinge … es ist kurz nach 17 uhr, die türen sind weit geöffnet und meine konzentration lässt zu wünschen übrig. ich habe mich klanglich und räumlich in diesem stadthaus-gebäude noch nicht wirklich akklimatisiert.

später kommt marcel — wir kennen uns, weil man sich schon oft auf den obskuresten konzerten in münster über den weg gelaufen ist. hier schaut er also auch vorbei! prima! — marcel bringt kuchen mit. super. wird dieser surreale arbeitsraum doch noch mit ein wenig bekanntem leben gefüllt … ich erkläre ungefragt ein wenig die geräte, die hier so rumliegen … ich frage mich selbst, warum ich das eigentlich mache? — hätte ich einem freund doch auch in meinem wohnzimmer erklären können!?! — nun gut: hier, an diesem ort, habe ich das gefühl, das zu tun zu müssen! andere freunde schauen auch bald vorbei … das ist toll!

carsten nolte kommt durch die tür, baut seinen bass-verstärker auf … und bringt — wie versprochen — viele kleine ungewöhnliche dinge mit, mit denen er geräusche produzieren möchte. somit haben wir für einige wenige besucher gleich spontan eine art ambient-geräusch-session gestartet. der klang ist in der galerie-halle wirklich beeindruckend — kein studio und kein hall-plug-in hat diese hörbare räumlichkeit.  wir kommen gar nicht zum einzel-klänge aufnehmen, weil wir so viel gleichzeitig ausprobieren möchten. es entsteht schon so etwas wie ein langes improvisiertes, einmaliges konzert.

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LIVE-AMBIENT-JAM-01 /w carsten nolte [5:12]

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LIVE-AMBIENT-JAM-02 /w carsten nolte [4:24]
 


 
zu guter letzt haben wir zum glück doch noch einige produzierte geräusche einzelnd aufgenommen. denn nur so lassen sich die sounds für spätere musik-produktionen verwenden. wer sich vielleicht fragt: „was hat denn bitte dieses »harry«-plastik-schild dort zu suchen … ?” — dieses schild war wohl der star des abends …

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SAMPLING-SESSION „DirtyHarry” Carsten Nolte


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TB: der einzug …

10.Oktober 2010

mein plan war es, mein gesamtes „e-smogplayground”-wohnzimmer-studio in die stadthausgalerie aufzustellen. dann habe ich alle meine werkzeuge zur klangerzeugung und -bearbeitung unmittelbar in greifbarer nähe. gesagt, getan — eine super idee!

… daß ich dafür das ganze wochenende am transportieren, aufbauen und verkabeln bin, hatte ich allerdings nicht so im detail bedacht. so ist das wohl mit spontanen locker luftig-leichten ideen (immerhin: mein wohnzimmer ist nun so gut wie leer und ich kann mal staubputzen!)

ich freue mich schon auf montag und bin sehr gespannt auf das was dort passieren wird. angekündigt hat sich carsten nolte, der seinen bass und viele kleine geräusch-gadgets mitbringen wird — das ist jedoch einer der wenigen parameter, die feststehen … wie schon erwähnt: wir werden sehen, hören und aufnehmen … ich bin gespannt.

TB: … here we go!

08.Oktober 2010

hallo freunde der werk/tage!

meine vorbereitungen zum thema „wie klingt deine stadt?” haben begonnen, und die allerersten klänge
aus münster sind aufgenommen und archiviert.

wer es noch nicht weiß: ich werde das vergnügen haben, ab montag den 11.10.2010 mit meinem
mitgebrachten “e-smogplayground”-tonstudio klänge aufzunehmen und mittels elektronischer hilfsmittel
zu bearbeiten. wer lust hat, schaut in den darauffolgenden 5 werktagen in der stadthausgalerie vorbei.
ab 17 uhr entstehen dort die sound-collagen und musik-fragmente, die ich euch am 15.10.
zusammen mit freunden gerne in form eines abschluss-konzertes präsentieren möchte.

am montag, den 11.10. hat sich auch gleich schon besuch angekündigt … carsten nolte wird vorbeischauen
und seinen bass mitbringen. mal gucken wie sich der große leere galerie-raum mit den gespielten bass-sounds
vertragen werden … (hall’n'bass … eine neue musikrichtung? — wir werden sehen … und hören
… und aufnehmen!)

am donnerstag den 14.10. kommt wolfgang müller (kopf der band “the sellers” aka “westfalien”) vorbei, um
mit seiner gitarre meinen münster-soundscapes den letzten musikalischen feinschliff zu verpassen …
(gleichzeitig ist es auch eine kleine probe für die live-performance am freitag — einfach vorbeischauen …
und miterleben wie die nerven blank liegen! — kleiner spaß, das wird schon … !)

besonders freue ich mich auch, daß ich für das abschluss-konzert am 15.10. einen via skype befreundeten
elektroniker aus bielefeld gewinnen konnte. matthias frick (aka matthew adams) wird seine studio-elektronik
für uns nach münster bringen und einen externen blick auf die münster-sounds werfen … vor allem
musikalisch — das ist der plan … und ich bin gespannt!

viele grüße
und bis bald!

ps: die idee zum tollen “the sound of münster”-plakat-mash-up hatte übrigens werk/tage-kurator
andré boße. 10 minuten später, nachdem wir über meine projekt-idee gesprochen hatten, war dieses
bild von ihm in meiner mailbox — großartig!
 


 
hier verrate ich euch schon einmal, was meine allererste sound-anlaufstelle war …


(vielen dank nochmals an dieser stelle für die akkreditierung und die erlaubnis
des rechteverwalters, tonaufnahmen für dieses projekt machen zu dürfen)

Nächster Künstler: Jean Michel / Thomas Bücker 11. bis 15.10.

05.Oktober 2010

„Geniale Ideen mit Witz, kluger Sound, killer Samples, gute Songs“ – eine Lobeshymne des Elektromusik-Fachmagazins De:Bug für Jean-Michael alias Thomas Bücker, die für die Werktage Münster Großes verspricht. Der Computermusiker, der im Neben- oder Hauptberuf – je nach Definition – als Grafikdesigner in Münster lebt und arbeitet, wird ab dem 11. Oktober in der Stadthausgalerie (Rathausinnenhof/Platz des Westfälischen Friedens) einen Track entstehen lassen, dessen Themen und Klänge die Stadt Münster vorgibt. Thomas wird jeweils zwischen 17 und 22 Uhr Geräusche und Töne sammeln und das Ganze schließlich am Freitag, 15. Oktober gemeinsam mit Gastmusikern zu einem Stück werden lassen.

Vorab schon hat sich Thomas Bücker von Münster und seinem Sound inspirieren lassen und etwa ein Preußen Münster-Spiel besucht. „Ich habe an verschiedenen Standorten im Stadion die Lautsprecheransagen und die Gesänge der Fans aufgenommen, die neu arrangiert und mit anderen Klängen gemischt sehr spannendes Material bieten“, erzählt der Musiker, der vor allem am Computer arbeitet. Bei den Werktagen wird er dies wie alle andern Künstlerinnen und Künstler öffentlich und verfolgbar tun und dem Publikum einen Eindruck geben, wie digitale Komponisten arbeiten.

Neben den gesampleten und digital bearbeiteten Klängen will Thomas aber auch „echte“ Musiker in seine Komposition einarbeiten, die er mit seinem „e-smogplayground”-Tonstudio erstellen wird. Am Montag wird zum Beispiel Carsten Nolte mit seinem Bass in der Stadthausgalerie für tiefe Töne sorgen. Der Musiker, der in Münster u.a. bei den Bands nolte. und Zipper Shtick spielte, wird „in dem großen Galerie-Raum vielleicht eine neue Musikrichtung erfinden: Hall’n’Bass“, sagt Thomas Bücker lächelnd. Am Donnerstag, 14. Oktober wird Wolfgang Müller, Kopf der Band „The Sellers“, mit seiner Gitarre den Münster-Soundscapes den letzten musikalischen Feinschliff verpassen. „Beim Abschlussabend am 15.10. wird Matthias Frick (aka Matthew Adams) seine Studio-Elektronik aus Bielefeld nach Münster bringen und einen externen Blick auf die Münster-Sounds werfen“, kündigt Thomas Bücker an.