29.9.10
Ein paar Notizen:
Habe zunächst mit Jan von modulorbeat über den Raum gesprochen, dabei zu Mittag gegessen, die “Schlüsselfrage” geklärt. Dann erst mal ca 50 Minuten gespielt. Der Raum legt einem bestimmte Dinge nah – lange Töne, dem Sound nachhorchen. Immer wenn ich beim Üben kurz pausiere, denke ich: es klingt besser, wenn ich nicht spiele. Dann ist da niemand, der sich ausdrücken will – nur das urban-kosmische Hintergrundrauschen.
Die “Entstehung eines Kunstwerks”, ist m.E. als Prozess in der Musik nicht von aussen wirklich beobachtbar, der Ton ist direkt da oder direkt wieder weg, deshalb ist zumindest Live Musik nur direkt emotional nachvollziehbar. Der Betrachter hat dabei unmittelbar Einfluss auf das Ergebnis, duch seine Anwesenheit, seine Konzentration – und sehr entscheidend auch der Raum. Die Stadthausgalerie lässt mich komplett anders spielen als meine normalerweise schalltote Übekabine.
Für mich steht wieder mal die Frage im Raum, was Arbeit in meinem Fall eigentlich konkret bedeutet. Das Eine ist die Pflege des Handwerklichen, das Andere, wie daraus etwas Größeres entstehen kann. Keine Ahnung, aber ich meine, auf jeden Fall unsichtbar. Der Witz über das Ehepaar im Konzert des Stardirigenten fällt mir ein, wo sie zu ihm sagt: “Weck mich, wenn er anfängt zu faszinieren.”
Gibt es die von den Kuratoren suggerierte Angst vor dem Kunstwerk (“Kunst ist nicht gefährlich”)? Sicherlich auch, aber meine Erfahrungswelt kennt mehr Desinteresse, Genervtheit und Ignoranz als einen Zustand mit zu viel Respekt. Was will mir das sagen?
Seit 3 Stunden sitzen hier nur ich und die “Aufsicht”, sie lernt Jura, ich lerne den Raum kennen, beide werden wir dafür bezahlt, “Luxus Welt”.
Ich habe heute viel gelernt hier – im Moment denke ich auch, es wäre genauso interessant, einen Zaun um mich zu machen, als mich öffentlich zu präsentieren, wobei mir die Ruhe und die Möglichkeit der Vertiefung sehr willkommen ist.
Ich bin sehr gespannt auf Morgen!