»Christoph Mett«

Lochkamera / 21.10.2010

28.Oktober 2010

21.10.2010 14:06 – 14:17 Uhr / Christoph Mett / Die Blende f/90 bringt schöne kurze Belichtungszeiten, in diesem Fall etwa nur knapp zehn Minuten, aber leider auch eine sehr unschöne Unschärfe über das ganze Motiv. Aber man kann den Zierkohl von Christoph so gerade noch erkennen…

21.10.2010 14:10 – 14:24 Uhr / Christoph Mett

21.10.2010 14:55 – 15:09 Uhr / Christoph Mett

21.10.2010 15:03 – 15:19 Uhr / Christoph Mett

Das Werk

24.Oktober 2010

Werktage – ein Wort, welches mir des öfteren durch den Kopf schwirrte, während aus meinem Zeichenstift die Menschen und deren Geschichten flossen: Tage des Werkes, werken am Tage (oder bei Nacht), Tagewerk, Werktags. Mich überfällt das Klischee von ächzenden Schloten, glühendem Stahl und schwitzenden Leibern, angestachelt durch militärische Lautsprecherdurchsagen.

Gewerkt wurde auch schon, ohne daß gleich ein Resultat, ein fester Beweis der Arbeit sichtbar wurde. Werken ist auch denken.
Und dafür benötigt der Mensch Energie, welche in ausreichender Menge und Vielfalt von den Fließbändern der Süßwarenindustrie rollt und die Synapsen des denkenden Künstlers oder des künstlerischen Denkers befeuert. Kann man den Wert eines Bildes am Energieverbrauch des Künstlers beziffern?

Woher also dieses Wort?
Übersetzt aus dem Mittelhochdeutschen wird “Werk” auch als “zu bearbeitendes Material, Werkzeug” bezeichnet…

Nun ja – mein “Material” das waren die unterschiedlichsten Besucher und deren Geschichten, mein Ambos: derbes Recyclingpapier, der Hammer: eine Unze Graphit….und viel Licht! Allein habe ich allerdings nicht gearbeitet: Die Befragten haben sich in verwinkelten Korridoren und verschollen geglaubten Zimmern ihrer Erinnerung herumgetrieben und einige Fragmente zutage gefördert. Bei den Werktagen haben also beide Seiten gewerkt.

Das Leben besteht aus einer Kette von Profanitäten und dieser “Kitt” hält unsere Welt fester zusammen, als so manche Tagespolitik:

Die Haifisch-Phobie eines Beamten in öffentlichen Badeanstalten, der Zwerg Kaninchen Dackel als Seelenpflaster , die künstliche Kakerlake als therapeutische Maßnahme gegen eine zu saubere Wohnung oder ganz oben auf der Stecktabelle: der Fussballverein mit dem Ziegenbock, sind nur einige Beispiele für mögliche Menschen-Welten.

Wenn die Leute ihre Geschichten erzählen, vergegenwärtigen sie sich gleichzeitig, wo sie selbst stehen. ( Stärken, Macken und Ticks inklusive)

Und wenn sich dann das Glücksmoment einer Gemeinsamkeit einstellt, (…”Ja, auch ich pflege das Früstücksei am Mahagoni-Lenkrad meiner Yacht aufzuschlagen!) fühlt man sich als Gruppe. Auch wenn Welten dazwischen liegen.

Die meisten gehen mit einem guten Gefühl. Das haben mir ihre Gesichter verraten.

Während der Werktage war wichtig , daß die eigenen Ohren immer ein wenig spitzer als der Bleistift zu halten waren.
Denn was nützt das perfekte Konterfei aus dem Personalausweis, wenn man den Menschen dahinter nicht entdeckt?

Christoph Mett, Okt. 2010

Christoph Mett – Bilder vom 21.10.2010

21.Oktober 2010

Nächster Künstler: Christoph Mett – Mi., 20.10 bis Fr., 22.10.

16.Oktober 2010

Wenn sich Christoph Mett Menschen widmet, dann intensiv und mit vielen Fragen. Und statt still Porträt zu sitzen, erzählen die Leute dem Illustrator ihre Vorlieben sowie Geschichten aus ihrem Leben. Christoph Mett hört zu, schreibt mit – und macht sich dann an die Arbeit. Das Resultat sind keine reinen Zeichnungen von Gesichtern, sondern Illustrationen mit Anhang – mal surreal, mal ironisch, mal detailgenau.

Im Rahmen der Werktage Münster wird Christoph Mett am Mittwoch (20.10.) von 17 bis 22 Uhr, am Donnerstag (21.10.) von 14 bis 18 Uhr sowie am Freitag (22.10.) von 17 bis 22 Uhr in der Stadthausgalerie (Rathausinnenhof/Platz des Westfälischen Friedens) auf seine Art Menschen aus der Stadt porträtieren. Passanten und Kunstfreunde sind eingeladen, sich selber porträtieren zu lassen oder dem Künstler bei der Arbeit zuzuschauen. Die gesammelten Werke werden schließlich Platz auf einem großen Leporello finden – einem Faltbuch mit Gesichtern und Geschichten der Stadt.

Christoph Mett ist der fünfte Künstler der Reihe Werktage Münster – einem Projekt, das nicht fertige Werke ausstellt sondern ihre Entstehung. Seit der Eröffnung im September sind bereits überaus spannende Prozesse geschehen und Werke entstanden; einen Eindruck davon gibt sein erster Beitrag auf dieser Homepage. Dort sind unter der Künstlerrubrik Christoph Mett auch bereits Werke zu sehen, die der Illustrator ihm Rahmen von „Schauraum“, der langen Nacht der Museen in Münster, gestaltet hat.

Erster Abend in der Stadthausgalerie

05.September 2010

Notizen zum ersten Tag in der Stadthausgalerie:

20.30Uhr _

Tageslichtschreiber in einem großen Raum, “Die Gedanken sind frei!” klingt es aus Lautsprechern.
Einen Tisch, zwei Stühle, grobes und feines Papier,nette Helfer, mein Kopf und meine Zehn Finger.
Ich habe keine Ahnung, wie diese Aktion verlaufen wird – zumal für diesen Abend nur eine Stunde
eingeplant ist. Dinge brauchen in der Regel ja Zeit, sich zu entwickeln.
Da kommt Gilla, meine erste Besucherin in bester Laune mit einem Glas Rotwein vom “Roten Platz” im Rathausinnenhof.

Ich frage nach  und sie erzählt: Ich höre, schreibe auf und denke mir meinen Teil und dann zeichne ich vor Ihren Augen.
Wirklich wie Gilla sieht sie nicht aus, aber das macht nichts. Wichtig ist Ihre persönliche Geschichte im Bild: Sie hat einen Mann und 2 Pflegehunde zu Hause, einen kleinen Collie und eine gerettete Promenadenmischung aus Rumänien. Ihr Lieblingsobjekt ist eine Muschelschachtel, die sie als 12-jähriges Mädchen bekommen hat. “Dort liegt auch mein Personalausweis drin!” sagt sie entschuldigend. Denn eigentlich hatte ich vor, das Perso-Foto abzumalen.
Nach etwa 15 Minuten ist das erste Portrait komplett – Gilla lächelt und verabschiedet sich – der Gatte wartet im Hintergrund.
Pia und Kai kommen auch an meinen Tisch ich frage und sie antworten. Wie auch bei Gilla bemerke ich, daß die Leute sehr aufgeschlossen von sich erzählen. “Ich will keinen gläsernen Menschen!” sage ich. Natürlich können sie entscheiden, was aufs Papier kommt und was verborgen bleiben soll. Auch sie werden in einigen Wochen in einem langen Besucher- Leporello erscheinen.

Der Abend war eine Herausforderung an meine Konzentrationsfähigkeit. Ich bin nicht gewohnt, daß mir 20 Augenpaare gleichzeitig auf die Finger schauen, wenn ich arbeite. Das ist im Grunde etwas sehr Intimes. Aber wenn man diese Hemmschwelle überwindet, fühlt man sich von den Besuchern irgendwie >getragen<.

Christoph Mett, 04.09.2010