Werktage – ein Wort, welches mir des öfteren durch den Kopf schwirrte, während aus meinem Zeichenstift die Menschen und deren Geschichten flossen: Tage des Werkes, werken am Tage (oder bei Nacht), Tagewerk, Werktags. Mich überfällt das Klischee von ächzenden Schloten, glühendem Stahl und schwitzenden Leibern, angestachelt durch militärische Lautsprecherdurchsagen.

Gewerkt wurde auch schon, ohne daß gleich ein Resultat, ein fester Beweis der Arbeit sichtbar wurde. Werken ist auch denken.
Und dafür benötigt der Mensch Energie, welche in ausreichender Menge und Vielfalt von den Fließbändern der Süßwarenindustrie rollt und die Synapsen des denkenden Künstlers oder des künstlerischen Denkers befeuert. Kann man den Wert eines Bildes am Energieverbrauch des Künstlers beziffern?



Woher also dieses Wort?
Übersetzt aus dem Mittelhochdeutschen wird “Werk” auch als “zu bearbeitendes Material, Werkzeug” bezeichnet…
Nun ja – mein “Material” das waren die unterschiedlichsten Besucher und deren Geschichten, mein Ambos: derbes Recyclingpapier, der Hammer: eine Unze Graphit….und viel Licht! Allein habe ich allerdings nicht gearbeitet: Die Befragten haben sich in verwinkelten Korridoren und verschollen geglaubten Zimmern ihrer Erinnerung herumgetrieben und einige Fragmente zutage gefördert. Bei den Werktagen haben also beide Seiten gewerkt.
Das Leben besteht aus einer Kette von Profanitäten und dieser “Kitt” hält unsere Welt fester zusammen, als so manche Tagespolitik:
Die Haifisch-Phobie eines Beamten in öffentlichen Badeanstalten, der Zwerg Kaninchen Dackel als Seelenpflaster , die künstliche Kakerlake als therapeutische Maßnahme gegen eine zu saubere Wohnung oder ganz oben auf der Stecktabelle: der Fussballverein mit dem Ziegenbock, sind nur einige Beispiele für mögliche Menschen-Welten.
Wenn die Leute ihre Geschichten erzählen, vergegenwärtigen sie sich gleichzeitig, wo sie selbst stehen. ( Stärken, Macken und Ticks inklusive)
Und wenn sich dann das Glücksmoment einer Gemeinsamkeit einstellt, (…”Ja, auch ich pflege das Früstücksei am Mahagoni-Lenkrad meiner Yacht aufzuschlagen!) fühlt man sich als Gruppe. Auch wenn Welten dazwischen liegen.


Die meisten gehen mit einem guten Gefühl. Das haben mir ihre Gesichter verraten.

Während der Werktage war wichtig , daß die eigenen Ohren immer ein wenig spitzer als der Bleistift zu halten waren.
Denn was nützt das perfekte Konterfei aus dem Personalausweis, wenn man den Menschen dahinter nicht entdeckt?
Christoph Mett, Okt. 2010