»André Boße«

Das war’s. War’s das?

11.November 2010

Gestern haben wir die Werktage beendet. Mit einem schönen Film der Filmwerkstatt, der auch schon im Rohschnitt zeigt, dass er – wenn er in ein paar Tagen fertig ist – eine wunderbare Abrundung des Projektes werden kann. Zumal er die Themen der Werktage zeigt: Das Kunstschaffen unter Beobachtung, der Umgang mit dem großen Raum, das Einbeziehen der Stadt und seiner Bewohner – und sogar das Warten auf Gäste.

Alle Künstlerinnen und Künstler, haben – wie auf Thorsten Arendts vielbeachteten Lochkamera- und Digitalfotos gestern zu sehen war – viele unterschiedliche Ansätze im Raum verfolgt. Wir konnnten in den vergangenen zehn Wochen expressive Ausbrüche und introvertiertes Arbeiten, hippieskes Beisammensein und hochkonzentriertes Schaffen, kreative Spannung und durchaus nicht uninteressante Schlaffheit beobachten.

Unterschätzt haben wir im Vorfeld ein wenig die Wirkung der Besucher. Natürlich wussten wir, dass nicht immer Hunderte den Raum füllen würden und dass zugleich auch wenige Gäste einen großen Einfluss auf Kunst und Künstler haben würden. Die gegenseitigen Reaktionen aber waren beachtlicher als wir erwartet hätten. Die Stimmung im Raum, der nun einmal als intimer Proberaum, Atelier oder Schreibstube fungierte, wechselte oft in Minutentakt – je nach Gast und Gastinteresse.

Waren nur drei, vier Besucher im Raum, wurde die Spannung spürbar, die die Künstler zu anstrengenden Hochleistungen trieb – und die manchmal sogar Überhand nahm, wenn sich ein, zwei unserer hochgradig bühnenerfahrenen Teilnehmer in ihre Kemenaten zurückwünschten, um ihre Kunst in Ruhe machen zu können, um sie erst anschließend in Perfektion zu präsentieren. Andere Künstler wiederum genossen den Widerhall, den das Publikum gab, was sogar elementare Eingriffe in die Kunst nicht ausschloss. Als dann an manchen Abenden Dutzende Zuschauer kamen, ein Mal sogar rund 250, überraschte uns die plötzliche Lebendigkeit, die mit einem Schlag die konzentrierte Ruhe der Stunden zuvor abgelöst hatte.

Waren die Werktage erfolgreich? Ja. Denn wir haben verschiedene Dinge erreicht, die wir uns vorgenommen hatten: Wir haben Prozesse des Kunstschaffens sichtbar gemacht, eine wunderbaren Raum gestaltet sowie Künstler und Szenen aus Münster verknüpft, die sich zuvor nicht kannten. Und wir – vor allem die Künstler – haben mit dieser Website ein sehr lebendiges Dokument geschaffen, dass täglich mehrere Hundert Male angeklickt wurde – auch von Menschen außerhalb der Stadt Münster, die nicht ein einziges Mal in der Stadthausgalerie waren.

Und nun? Wir werden die Homepage weiterlaufen lassen und die Werktage fortführen. In welcher Form auch immer. Vielleicht anders gewichtet und kompakter, vielleicht in einer anderen Stadt oder auch wieder in Münster, an einem anderen Ort mit einem abgewandelten Konzept. Schaut hin!

Danke (in alphabetischer Reihenfolge): den Aufsichten, die sich bei großem Publikumsandrang, aber auch in flauen Phasen vorbildlich mit dem Verkauf von Bier und Bionade, Erklärungen zur Kunst, Schlepphilfen oder manchmal auch mit Seelenhilfe für alleingelassene Künstler beschäftigt haben; dem Veranstalter der Werktage, dem Kulturamt Münster, für die Finanzierung, Unterstützung und das Machenlassen; Risna Olthuis für die bestmögliche Organisation; Constanze Raidt für unermüdliche Presse-, Hintergrundarbeit und Recherchen; Thomas Tegethoff für die funktionable und aufgeräumte Website.

für alleingelassene Künstler

Lancaster – Werk/Tag 5: Konzert

31.Oktober 2010

Marc Günnewig von Modulorbeat wollte es sich nicht nehmen lassen, höchstselbst die Bänke noch einmal auf Stabilität hin zu überprüfen, bevor heute, am letzten Tag der Lancaster-Werktage-Woche, die Bude richtig voll werden sollte.

Sebastian Voß brachte wie besprochen Gläser und Whiskey mit, um einem Lancaster-Ritual fröhnen zu können – sich einen gemeinsamen Drink unmittelbar vor einem Konzert zu genehmigen. Das beruhigt die Nerven und ölt die Stimmen!

Gegen 18.00 Uhr waren die meisten Instrumente für den Soundcheck aufgebaut, auch die dritte Gitarre inkl. Verstärker und das Metallophon – beides Instrumente, die wir für eine letzte Probe brauchen sollten:

Zusammen mit den beiden Kuratoren der Werk/Tage André Boße und Marc-Stefan Andres wollten wir noch einen Lancaster-Song austesten, um diesen dann später auch beim Konzert vorstellen zu können.

Vier bis fünf Durchgänge später war “King Of Spain” im Kasten, Soundcheck zusammen mit dem Cello von Hendrik Tarvenkorn, mit der Elektronik von Thomas Bücker und dem Bläserensemble – dann kam das Publikum. Gegen 20.30 Uhr betraten Lancaster die Bühne und starteten mit den drei Stücken des Cello-Sets.

Wir hatten das Gefühl, alle drei Songs noch etwas stimmiger hinbekommen zu haben als am Montag bei der öffentlichen Probe – ein prima Anfang für unser Abschlusskonzert, wie wir fanden.

Foto: Katja Baron

Im Anschluss daran gab es den ersten Wechsel an den Instrumenten: Marten Bornmann (Posaune), Philipp Clodt (Tenor-Saxophon), Manfred Pohlschmidt (Trompete) und Marc Picker (Alt-Saxophon) stellten mit uns zusammen die drei Songs vor, die wir am Mittwoch hier öffentlich geprobt hatten:

Im Nachhinein hätten wir uns doch den Luxus gönnen sollen, alle Blasinstrumente extra zu mikrofonieren, denn je nachdem, wo man im Publikum stand oder saß hörte man mehr oder weniger gut den Gesamtklang der Band. Aber das ist ja auch ein Charakter der gesamten Werk/Tage: Es kann, muss und soll nicht alles perfekt sein, denn viele Ansätze dokumentieren lediglich einen Prozess auf dem Weg zum fertigen Ergebnis.

Danach präsentierten wir mit dem vorhin noch frisch einstudierten “King Of Spain” einen Song, der ursprünglich nur eine 20 sec. lange Idee eines Songs, ein Songfragment war und hier auf 5 min. ausgewalzt wurde und damit einer immer lauter werdenden Sound-Spirale glich. Das hätte “Züge der frühen Velvet Underground”, wie ein Freund hinterher kühn zu behaupten wusste.

Nach André Boße und Marc-Stefan Andres betrat nun Thomas Bücker als unser nächster Gast die Bühne. Wir spielten die drei Lancaster-Songs exakt in der Reihenfolge des Lernprozesses vom Vortag und machten nach dem atmospärisch dichten “Chuck/To The Moon” mit dem dritten Remix von “Catch Me” mit Thomas sowohl an der Elektronik als auch an den Drums ein wuchtiges Fass auf und baten mit “Porcelain Toilet” zum Big Beat-Tanz!

Nun galt es, die Lautstärke etwas zu drosseln und das Konzert mit der vierten Version von “Catch Me” zu beschließen – jetzt zusammen mit dem epiFUNias Gospelchor Münster und dem wunderbaren Winne Voget. Anrührender und schöner hätten wir diesen einmaligen Abend, diese einmalige Woche musikalisch nicht beschließen können – die randvolle Stadthausgalerie war nun endgültig aus dem Häuschen und zollte uns einen Applaus, der mir durch Mark und Bein ging! Der Chor setzte noch einmal zum Reprise von “Catch Me” an und nach etwa 70 Minuten beendeten Lancaster ihre Werktage-Woche mit einer (auch wenn das anmaßend klingen mag) Größe, die ich nicht erwartet hatte und nicht erwarten konnte.

Unser uns die ganze Woche begleitendes Filmteam, welches ebenso viel Arbeit wie Lancaster oder wie unser Techniker Tobias Mennemeyer geleistet hatte, machte noch eine letzte Interview-Runde durch das Publikum und befragte uns anschließend nach einem Fazit, welches selbstredend nur überschwänglich ausfallen konnte.

Wir bedanken uns für eine unvergessliche Zeit hier in der Stadthausgalerie bei unseren Mitmusikern, unseren Gästen der Stadthausgalerie, bei den Kuratoren, bei Risna Olthuis vom Kulturamt der Stadt Münster, vielen anderen uns helfenden Händen und vor allem bei unseren Kamaraleuten Katharina Miggelt, Jonas Köhne und Jan Telgkamp:

Wie es mit Lancaster nun genau weitergehen wird, wissen wir noch nicht, aber es sind Studio-Aufnahmen angedacht, um die Erfahrungen dieser Woche konservieren zu können, der Dokumentarfilm wird in Kürze geschnitten, evtl. laufen hier und da schon kurze Teaser dazu. Am Samstag haben wir die Stadthausgalerie ausgeräumt, sind wieder in unseren 16 qm kleinen Keller im JIB/Gleis 22 gezogen und wurden sentimental, weil diese Woche damit definitiv beendet wurde. Die Werk/Tage gehen weiter, in Erinnerung bleiben tausend tolle Dinge, viele neue Freunde und eine überraschend schlüssige Setlist:


TB: Tag 5. Abschlusskonzert “The Sound Of Münster” feat. Matthew Adams

17.Oktober 2010

Ausgewählte Bestandteile des “Sound Of Münster”, gesammelt, arrangiert und komponiert von Thomas Bücker und Matthew Adams, aufgeführt am 15.10.2010 in der Stadthausgalerie:

Drehorgel. Digitaler Klangteppich. Glocken. Angedeutete Melodien.Fahrradklingeln. Ein säuselndes Dröhnen. Ausformulierte Melodien. Stimmen. Fußtritte. Ein verzerrter Bass. Industriegeräusche. Wolfgang Müllers Gitarre. Ein lautes Dröhnen. Pumpende Beats. Wippende Füße. Wieder Glocken. Ansagen. Schlachtrufe. Fahrradklingeln, die eine Melodie erfinden. Durchsagen. Immer wieder Glocken. Aufbrausen. Ausklingen.

Applaus. Viel Applaus.

Dann sagt Thomas Bücker, die Werktage hätten ihm seine Grenzen gezeigt. Das Arbeiten vor vereinzelten Leuten sei seine Sache nicht. ”Gut, es gemacht zu haben. Aber einmal und nie wieder.” Eine Charaktersache, sagt er, eine Typfrage. Daheim, im Wohnzimmer, werde er “The Sound Of Münster” fortsetzen, komplettieren, finalisieren.

Hier geht es zum Set des Bielefelder Electro-Musikers Matthew Adams, der der Einladung von Thomas Bücker gefolgt war und “The Sound Of Münster” aus Bielefelder Perspektive komponierte und arrangierte.

Lob dem Einzelnen

21.September 2010

Was mich als Kurator bei den Werktagen bisher begeistert, ist die bedeutsame Rolle, die einzelne Gäste spielen.

Üblicherweise werden kulturelle Veranstaltungen danach bewertet, wie viele Leute anwesend waren. Zahlen werden nach oben gejubelt, weil zunehmend Masse Kunst und Kultur legitimiert.

Bei den Werktagen ist das anders. Echte Begegnungen sind wichtiger als flüchtiges Passieren – und mich freut, wie sehr die künstlerische Arbeit von Christian Fries von diesen Begegnungen gelenkt wurde. Der Autor hat jeden einzelnen Gast sehr ernst genommen. Ernst nehmen müssen, denn die Leute haben sich schließlich eingemischt und gefragt, statt nur staunen oder zu schauen.

Dadurch sind Texte entstanden, die nicht nur von oberflächlichen Kontakten beeinflusst wurden, nicht von einem weißen Rauschen, sondern von wirklichen Interaktionen, die dem  Schriftsteller mal geholfen, mal irritiert – aber, wie man lesen kann, immer berührt haben.

werktage@schauraum – oder: man lernt sich kennen

05.September 2010

Zehn Künstler, zehn Tageslichtprojektoren. Hunderte Menschen und Dutzende Fragen. Eine Band, ein Kurzfilm und ein Illustrator: Die Werktage Münster haben sich im Rahmen von “Schauraum” am Samstagabend zum ersten Mal dem Publikum vorgestellt. Unser Experiment nimmt damit Konturen an: Wir sind bereit, den Leuten zu zeigen, wie Kunst entsteht.

Zu erklären, warum wir von kommenden Freitag (10. September) bin in den November hinein keine fertige Kunstwerke ausstellen, sondern den Weg vom Nichts bis zur Kunst öffentlich machen, fiel uns leicht: “Weil das sonst keiner macht und endlich mal gezeigt gehört!” Und es gab viel Zuspruch: “Stimmt, ich wollte schon immer mal wissen, wie ein Songwriter arbeitet, wie ein Text entsteht.”

Die Frage aller Fragen: “Und das machen eure Künstler mit?” Ja, die Werktage-Künstler machen das mit. Sie sind Teil der Werktage, um herauszufinden, was passiert, wenn die kreative Arbeit nicht im stillen Kämmerlein oder engen Proberaum stattfindet, sondern hinter der offenen Tür der Stadthausgalerie.

Wie das werden könnte, bewiesen zwei spontanen Auftritte: Die Band Lancaster spielte zum ersten Mal in Zweierbesetzung. Eine Probe gab es nicht; das Konzert war trotzdem toll. Und wie schön dieser Raum im Rathausinnenhof klingt! Ein Hall zum Verlieben, nicht zu viel, nicht zu wenig.

Danach begann Illustrator Christoph Mett sein wunderbares Werktage-Projekt, die Menschen aus Münster zunächst kennenzulernen und dann auf eigenartige Weise auf Papier zu verewigen. Das Gemeine: Er gibt seine Porträt-Illustrationen nicht heraus, sondern sammelt sie bis zu seiner Werktage-Prästenation am 22. Oktober.

Zudem gab ein viel beachteter vokaler Film der Filmwerkstatt Münster dem Abend und dem ganzen Werktage-Projekt das Motto: “Die Gedanken sind frei.”

Folge eines langen Tages: Zwei durchgebrannte Tageslichtprojektorenglühlampen, 500 verteilte Werktage-Postkarten und große Vorfreude auf den offiziellen Startschuss am kommenden Freitag (10. September) um 18 Uhr.

Bis dahin,

andré boße

Der Tag nach dem Pressegespräch …

27.August 2010

… ist der Tag, an dem man neugierig in die Presse schaut.

Wir freuen uns über zwei Features in den beiden Tageszeitungen von Münster, die sicherlich neugierig machen auf das, was ab dem 10. September in der Stadthausgalerie passieren wird.

Die Links zu den Berichten …
… in der Münsterschen Zeitung
… in den Westfälischen Nachrichten